Die Ehrenschlaraffen des hohen Reyches
Aquae Thermae (80)

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort

 
 
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Vorwort
 
Schlaraffia ist die innige Gemeinschaft von Männern, die in gleichgesinntem Streben die Pflege der Kunst und des Humors unter gewissenhafter Beachtung eines gebotenen Ceremoniales bezweckt und deren Hauptgrundsatz die Hochhaltung der Freundschaft ist.
 

Der Paragraph 1 des Schlaraffenspiegels führt gemeinsam mit der Freundschaft und dem Humor die Kunst als eine der drei Säulen Schlaraffias an. Dieses wesentliche Element schlaraffischen Wirkens findet in den Vorträgen während der Sippungen ihren hauptsächlichen Niederschlag. Darüber hinaus kann aber auch jedes Reych dem Gedanken der Kunst dadurch entsprechen, indem es vergangenen Künstlern und Wissenschaftlern eine besondere Ehrung für ihr Gesamtwerk zuteil werden lässt (Paragraph 34 Absatz 2 des Schlaraffenspiegels):

 
Die Erkürung dahingeschiedener Heroen der Kunst und Wissenschaft zu Ehrenschlaraffen des eigenen Reyches steht allen Reychen frei.
 

Die Aquae Thermae hat bisher sechs Persönlichkeiten nach gewissenhafter Prüfung zu Ehrenschlaraffen erkürt. Diesen sechs Ehrenschlaraffen ist die vorliegende Broschüre gewidmet.

Es sind dies sowohl einstige Schlaraffenbrüder als auch solche Kunstschaffende, deren Wirken schlaraffischen Zielen entsprach, selbst wenn der Erkürte mit Schlaraffia nicht in Verbindung stand oder stehen konnte, beispielsweise weil die Schaffensperiode des Künstlers in die Zeit vor der Gründung Schlaraffias lag.

Mit der Erkürung eines Ehrenschlaraffen darf jedoch kein ehrender Schlussstrich hinter eine abgeschlossene künstlerische Laufbahn gesetzt werden. Vielmehr sollte dies den Anfang einer bewussten Pflege durch das Reych mit dem Ziel darstellen, das Andenken an den solcherart Geehrten im schlaraffischen Sinne aufrecht zu erhalten.

Damit übernimmt die Aquae Thermae aber auch die verantwortungsvolle Aufgabe, jenen als Ehrenschlaraffen gekürten Künstlern, die in dieser schnelllebigen Zeit vielleicht allmählich der Vergessenheit anheim fallen würden, zumindest im Kreise der Schlaraffia einen festen Platz zu geben.

In diesem Sinne ist es dem Kantzler der Aquae Thermae, unserem Ritter Frei von der Leber, als Verdienst anzurechnen, dass er stets die Aufnahme von Sippungsthemen im Zusammenhang mit den Ehrenschlaraffen der Aquae Thermae vorschlug und diese Anregungen vom Thron in den Sippungsfolgen der vergangenen Jahrungen dankbar angenommen und umgesetzt wurden.

Die Entstehung dieser Broschüre kann somit als Ergebnis der fortwährenden Befassung des Reyches mit dem Thema "Ehrenschlaraffen der AquaeThermae" gesehen werden. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass diese Broschüre hauptsächlich als Ergänzung zu den bereits bestehenden verdienstvollen Ausarbeitungen unseres Reychsarchivars, Ritter Techno von Buchenholz, und zwar in dessen Reychschronik, Teil II, zu sehen ist. Wer jedoch darüber hinaus sein Wissen um die Ehrenschlaraffen der Aquae Thermae erweitern will, dem sei diese, nunmehr vorliegende Broschüre zur Erbauung und weiteren Vertiefung in die Hand gelegt.

Was die technische Durchführung des Vorhabens anbelangt, so basiert die Broschüre im wesentlichen auf der Durchforstung bestehender und allgemein zugänglicher elektronischer Archive mithilfe moderner informationstechnischer Möglichkeiten ("Internet"). Auch spielte diese Technik bei der Überprüfung bestimmter Daten über Ehrenschlaraffen der Aquae Thermae, welche aus der Sekundärliteratur gewonnen wurden, eine gewichtige Rolle. Wie heute üblich und auch technisch machbar, soll diese Broschüre von vorneherein als "lebendes Dokument" gelten, welches je nach Erfordernis korrigiert, geändert oder ergänzt werden soll. Hier sind insbesondere die jungen Schlaraffen der Aquae Thermae aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten. Abschließend sollte noch festgehalten werden, dass diese Broschüre auch in elektronischer Form zur Verfügung steht beziehungsweise die elektronische Form den jeweils aktuellen Stand (im Sinne des oben angeführten "lebenden Dokuments") darstellt.

 
Aquae Thermae, am 31. Christmond a.U. 143
Er-Quad-Rat der Fernöstliche, Oberschlaraffe der Kunst 143/144
 

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Ehrenschlaraffe Ritter Edelweiß der Taktvolle
Karl Komzak
Militärkapellmeister
und Komponist
 
Geboren: 8. November 1850 in Prag
Gestorben: 23. April 1905 in Baden
Sasse der Aquae Thermae ab a.U. 1593
 
Lichtbild des Ehrenschlaraffen Ritter Edelweiß
 

Karl Komzák wurde am 8. November 1850 in Prag als Sohn des gleichnamigen späteren Militärkapellmeisters Karl Komzák (Vater) geboren. Er stammte somit wie viele andere Kapellmeister und Musiker der österreichisch-ungarischen Monarchie aus dem Kronland Böhmen. Er absolvierte das Konservatorium in Prag mit ausgezeichnetem Erfolg. Bereits 1867 erschien sein erstes Werk in Druck.

Karl Komzák arbeitete am Linzer Theater als Primgeiger und Dirigent und trat 1869 mit 19 Jahren freiwillig in die Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 11 ein, die von seinem Vater geleitet wurde. Karl Komzák galt als hervorragender Bassflügelhornist und brillanter Violinspieler und war auch als Regimentstambour aktiv.

Im Jahre 1871 ging er als Kapellmeister zum Infanterie-Regiment Nr. 7 nach Innsbruck und übernahm dort 1873 zusätzlich die Chormeisterstelle bei der Innsbrucker Liedertafel. Besonders gelobt wurde nicht nur die Qualität seiner Militärkapelle, sondern auch seine exzellente Programmzusammenstellungen: er spielte nicht nur die gängige Unterhaltungsmusik, sondern es gehörten auch zeitgenössische Werke des ernsten Genres und die Symphonien der Klassiker zum Repertoire seines Orchesters. In Innsbruck wurde 1878 sein Sohn Karl geboren, der sich später ebenfalls als Dirigent und Komponist versuchte, freilich ohne an die Erfolge seines Vaters und Großvaters anschließen zu können. Im Jahre 1880 wurde das Infanterie-Regiment Nr. 7 nach Riva verlegt. Trotz der landschaftlich reizvollen Lage am Gardasee boten sich hier kaum nennenswerte Möglichkeiten für zusätzliche musikalische Aktivitäten, so dass sich Karl Komzák - wie andere erfolgreiche Militärkapellmeister auch - nach einer Position in einer Großstadt umsah.

Am 1. Jänner 1883 wurde das Niederösterreichische Infanterie-Regiment Nr. 84 formiert. Unmittelbarer Anlass war die Vergrößerung des Heeres von 80 auf 102 Regimenter nach dem Aufstand in Bosnien-Herzegowina im Jahre 1881/82. Aufgestellt wurde die"84er-Kapelle" aber schon im Dezember 1882 in Wien. Karl Komzák sollte der erste Kapellmeister der "84er" werden und zog nach Wien, um hier die Kapelle einzurichten. Diese entwickelte sich rasch zu einem vorzüglichen Orchester und konnte eine Spitzenposition unter den konkurrierenden Kapellen der Kaiserstadt erringen - u.a. waren hier ab 1883 Alfons Czibulka und ab 1885 Carl Michael Ziehrer mit den Deutschmeistern aktiv, dazu noch die Strauß-Kapelle und viele andere private Orchester. Karl Komzáks wöchentliche Konzerte etwa im Volksgarten und in den Sophiensälen wurden vom Publikum sehr geschätzt und er galt als einer der besten Interpreten Strauß'scher Walzer. Im Jahr 1884 wurde Komzák mit der Regimentsmusik sogar zur Mitwirkung an der kaiserlichen Hoftafel kommandiert. Als Delegierter der österreichischen Regierung nahm er 1885 an der "Internationalen Stimmtonkonferenz" in Wien teil. Im Jahre 1887 gelangte im Rahmen einer Feier für Erzherzog Albrecht sein "Erzherzog Albrecht-Marsch" in Anwesenheit des Widmungsträgers zur Uraufführung . Auch beauftragte ihn das Kriegsministerium im Jahre 1888 mit dem Arrangement der Volkshymne nach dem Original von Joseph Haydn.

Im Jahre 1890 stellte Komzák seine Kapelle als erste der Donaumonarchie von der früher verwendeten hohen Stimmung auf Normalstimmung um. Im selben Jahr konzertiert er mit den "84ern" beim kaiserlichen Hofdejeuner in der Wiener Hofburg. Aufgrund seiner musikalischen Leistungen verlieh ihm Kaiser Franz Josef I. das "Goldene Verdienstkreuz mit der Krone", eine Auszeichnung, die vor ihm nur ein Militärkapellmeister (Alfons Czibulka) erhalten hatte.

Ebenfalls im Jahre 1890 hatten die "84er" die ehrenvolle Aufgabe, bei einer Sommerliedertafel des Wiener Männergesang-Vereines gemeinsam mit dem Infanterie-Regiment Nr. 85 den neuen, noch heute gesungenen Text des berühmten Walzers "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß Sohn mit den Anfangsworten "Donau so blau" von Franz von Gernerth aus der Taufe zu heben.

Karl Komzák und Baden

Von 1883 bis 1892 war der Stab des Regiments und somit auch die Militärkapelle meist in Wien stationiert, von 1892 bis 1895 in Mostar. Im Jahr 1892, als das Regiment nach Mostar beordert wurde, ließ sich Karl Komzák aus gesundheitlichen Gründen beurlauben und übernahm 1893 die zivile Stelle des Musikdirektors von Baden, wo er vorerst nur in den Sommermonaten wirkte. Während der Wintermonate hingegen fuhr er nach Mostar zu seiner Regimentsmusik. In seiner Abwesenheit wurde er dort von Feldwebel Josef Laßletzberger vertreten, der später selbst Kapellmeister bei den "84ern" werden sollte.

An einem Saisonende in Baden wurde Karl Komzák mit der damals häufigen Art in Versen verabschiedet, bevor er zur Jahreswende 1895/96 endgültig seinen Militärdienst quittierte:

 

"October wird's, October ist's,
Das Laub wird gelb und dürre,
der Komzák ging zum letzten Mal
im Curhaus ins Geschirre.

Mit Andacht hörte jedermann,
was er uns heut geboten,
heut' legt er los zum letzten Mal
und macht Geräusch nach Noten.

Er klopft, er winkt: Der Lärm geht los!
Mir scheint, es stimmt mitunter;
und wenn er just bei Laune ist,
dann geigt er auch darunter.

Die Geige klingt, der Ton, er dringt
durch Rock, Gilet und Seele;
bald stimmte er uns wehmüthig ernst
bald wieder urfidele.

Schrumbumm! Der letzte Ton verfliegt!
Saison, du bist vorüber!-
Was wird mir denn mein Herz so weich,
was geh'n die Augen über?

Applaudieren, Füßestrampeln,
Beifallsruf und Hochgeplärr!
Meister Komzák dankt ergriffen,
dreht sich um und spielt nicht mehr.

Brüder ruft, als trüg es Trinkgeld,
mag die Welt in Fransen geh'n:
"Vivat hoch, der theure Komzák,
Vivat hoch, auf Wiederseh'n!"

 
Karl Komzák war als Musikdirektor in Baden äußerst beliebt
 

Die Uraufführung der "Bad'ner Mad'ln" erfolgte im Sommer des Jahres 1898 an einem Abend im Badener Kurpark im Rahmen eines Benefizkonzertes. Die Badener Zeitung schrieb: "...Als dritte Nummer brachte der Benefiziant einen von ihm neu komponierten Walzer "Bad'ner Mad'ln", welcher stürmisch akklamiert und zur Wiederholung verlangt wurde und zu lebhaften Ovationen für den Benefizianten führte...". Karl Komzák schrieb einmal, nachdem er gefragt worden war, ob die "Bad'ner Mad'ln" wirklich so fesch wären, in einem Brief an den Schriftleiter der Badener Zeitung: "Natürlich sage ich, dass diese so reizend sind, dass mein musikalisches Talent den wahren Liebreiz unmöglich schildern kann."

Für seine Einladung zum vierten Konzert in Warschau im Jahre 1903 ließ Karl Komzák sich ein Gegenstück zu den "Bad'ner Mad'ln" einfallen: die "Warschauer Mad'ln". Die Badener Damenwelt schätzte allerdings solche kompositorischen Ausflüge keinesfalls. Der Rache der Damenwelt Badens entging er nur dadurch, dass er sich unmittelbar nach der Uraufführung der "Warschauer Mad'ln" eben dorthin, nämlich nach Warschau, begab.

 
Karl Komzák über Johann Strauß
 
Da Karl Komzák im Gegensatz zu manchen anderen seiner musikalischen Zeitgenossen selbst instrumentierte, charakterisierte er beispielsweise Johann Strauß als kurzzeitig in Betracht gezogenen Vertreter des Kapellmeisters das Badener Kurorchesters:
 

"Herr Hofballmusikdirektor Johann Strauß, glänzender Name, doch wohl nur zur Direktion von Tänzen geeignet, da ihm zu Höherem die nötige Routine mangeln dürfte, käme riesig gern nach Baden...."

 
Karl Komzák und seine Reisen als Badener Musikdirektor
 

Karl Komzák bereiste verschiedene Städte, darunter Berlin und Warschau, aber auch die Vereinigten Staaten von Amerika. So wurde ihm 1904 eine Reise zur Weltausstellung nach St. Louis, Vereinigte Staaten, angeboten, um ein Ausstellungsorchester zu leiten. Dafür komponierte er unter anderem die "St. Louis Girls", die erstmals in Baden unmittelbar vor seiner Abreise erklangen, hatte jedoch praktischer Weise seine "Warschauer Mad'ln" (siehe oben) einfach in "St. Louis Girls" umbenannt.

Zu seiner Reise nach St. Louis wurde er in Baden mit folgenden Versen verabschiedet :

 
Yankies, Cowboys und Chinesen
Irokesen, Japanesen
und der holden Damen Schar:
alle werden jubelnd preisen
Karls ernst und heit're Weisen
und ihm huld'gen, das ist klar!
 

Einträglich war seine Verpflichtung für die Weltausstellung allemal, und zwar aus finanzieller Sicht. Sie erbrachte ihm nach heutigem Wert rund 150.000 EUR. Die langen Reisen förderten in ihm aber das Heimweh "...ich sehne mich unsagbar heimwärts....ach, wie freu' ich mich nach meiner lieben Welzergasse....".

Karl Komzák starb am 23. April 1905 infolge eines tragischen Eisenbahnunfalles in Baden.

 

Das musikalische Schaffen von Karl Komzák - ein kurzer Auszug
 
Der Walzer "Bad'ner Mad'ln" (1898 im Kurpark in Baden uraufgeführt), die Polka schnell "in Sturm und Drang" (1887 für die Faschingsliedertafel des Wiener Männergesang-Vereines komponiert), der "84er Regimentsmarsch" (Bild) oder der "Erzherzog Albrecht-Marsch" (1887 zum "60-jährigen Dienstjubiläum" von Erzherzog Albrecht geschrieben, Bild). Der Walzer "An der schönen grünen Narenta" (1895 in Mostar entstanden), die Polka française "München-Wien, ein Sinn" (1888 für die Kunstgewerbeausstellung in München komponiert), der "Erzherzog Rainer Marsch" (gewidmet 1901 zur Goldenen Hochzeit des Erzherzogs) oder der "Kaisermarsch", der 1898 zur Erinnerung an das Regierungsjubiläum Kaiser Franz Joseph I. geschrieben wurde und der auch aus der "Militär-Marsch-Concurrenz" dieses Jahres siegreich hervorging, die Volksoper "Edelweiß" und vieles andere mehr. Dazu kommen noch unzählige Bearbeitungen und Potpourris. Das kommentierte Werkverzeichnis, das der verdienstvolle Musikforscher Max Schönherr gemeinsam mit Eugen Birixel erstellt hat, umfasst mehr als 200 Seiten.
 
Karl Komzák und die Schlaraffia Aquae Thermae
 

Am 2. Ostermond a.U. 34 (1893) wurde Karl Komzák zum "Ritter Edelweiß der Taktvolle" geschlagen. Er wählte seinen Ritternamen nach seiner Volksoper "Edelweiß", die in Salzburg, München, Bad Ischl und in der Badener Sommerarena aufgeführt wurde. Die Musik war gut kritisiert, wenn auch gewisse Anleihen bei Millöcker (Ehrenschlaraffe Bettelstudent), Strauß und Suppé nicht zu übersehen waren. Das Libretto hingegen war wenig ansprechend.

Rt. Edelweiß war Sasse der Aquae Thermae bis zu seinem Ahallaritt am 23. Ostermond a.U. 46.

 

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Ehrenschlaraffe Rabanser
Dr. Anton Wildgans
Schriftsteller
Geboren: 17. April 1881 in Wien
Gestorben: 3. Mai 1932 in Mödling
 
Lichtbild des Ehrenschlaraffen Rabanser
 

Anton Wildgans wurde am 17. April 1881 in Wien geboren, promovierte 1908 zum Doktor der Rechte und war ab dem Jahre 1909 als Untersuchungsrichter tätig. In diesem Jahr erschien sein erster Gedichtband "Herbstfrühling". Er beendete 1911 seine juristische Tätigkeit (inzwischen war sein zweiter Gedichtband erschienen) und war dann als freier Schriftsteller tätig. Im Jahre 1913 erschien sein Gerichtseinakter "In Ewigkeit Amen". Dem folgten die sozialkritischen Dramen wie das Trauerspiel "Armut" (1914), die Tragödie "Liebe" (1917) und "Dies irae" (1918) mit naturalistischen und expressionistischen Stilmerkmalen, die vor allem das Wiener Publikum begeisterten. Eine der Figuren in "Dies irae" war Rabanser, welcher Anton Wildgans seinen Namen als Ehrenschlaraffe gab.

Die Gattin des Dichters erwarb 1917 in Mödling bei Wien ein Haus hinter der Kirche St. Othmar (heute Anton Wildgans-Weg 4). Im Jahre 1921 wurde Anton Wildgans zum Direktor des Burgtheaters berufen, eine schwere Krankheit zwang ihn jedoch bereits ein Jahr später zur Aufgabe dieser Tätigkeit.

Im Jahr 1927 stellte er sein episches Gedicht "Kirbisch" oder "Der Gendarm, die Schande und das Glück" fertig.

 
Anton Wildgans, Rede über Österreich
 

Als entschiedener Verfechter der Eigenständigkeit Österreichs entstand 1929 die ursprünglich für Stockholm vor dem schwedischen König bestimmte "Rede über Österreich", die auch Werbung für Österreich machen sollte. Wildgans befand sich schon auf der Reise, als er krankheitsbedingt umkehren musste. So verlas er seine Rede am 1. Jänner 1930 im Wiener Rundfunk:

Im Jahre 1930 wurde Wildgans ein zweites Mal zum Direktor des Wiener Burgtheaters bestellt, konnte diese Aufgabe auf Grund seiner neuerlichen schweren Erkrankung aber nur bis Ende 1931 erfüllen.

Anton Wildgans starb am 3. Mai 1932 in seinem Wohnhaus in Mödling. Dieses wurde später zum "Anton und Friedrich Wildgans-Archiv"umgewandelt (Anmerkung:Friedrich Wildgans, 1913 - 1965, Sohn von Anton Wildgans, war Komponist, Klarinettist, Lehrer am Mozarteum Salzburg, Professor an der Wiener Musikakademie und Präsident der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik). In drei Gedenkräumen sind Gegenstände aus dem Besitz von Anton Wildgans ausgestellt. Im angeschlossenen Archiv befinden sich Handschriften, Manuskripte, unter anderem Gegenstände aus dem Besitz Wildgans sowie Kopien von Handschriften und Manuskripte (die Originale befinden sich in der Österreichischen Nationalbibliothek).

 

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Ehrenschlaraffe Satir
Moritz Gottlieb Saphir
Satiriker und Schriftsteller
 
Geboren: 8. Februar 1795 in Lovas-Berény
Gestorben: 5. September 1858 in Baden
 
Lichtbild des Ehrenschlaraffen Satir
 
Seine ersten Jahre
 
Moritz Gottlieb Saphir (eigentlich Moses Saphir) wurde am 8. Februar 1795 in Lovas-Berény bei Pest als Sohn eines Kaufmanns geboren, allerdings nicht unter diesem Nachnamen. Den nämlich erhielt seine Familie erst später. Moses studierte jüdische Theologie in Prag und arbeitete dann im väterlichen Geschäft. Nach seinem Studium der klassischen Philologie in Pest war er ab 1822 in Wien Kritiker an Bäuerles "Theaterzeitung".
 
Aktien-König
 
Wer reitet so schnell durch die Renngasse hier?
Es ist ein Vater mit seinem Papier !
Er hat sein Papierchen wohl in dem Arm,
Er hält's für sicher, daß Gott erbarm ! -
 
Papier, mein Papier ! Was machst für ein Gesicht? -
Siehst, Vater, du den Aktienkönig nicht?
Den Aktienkönig mit papierenem Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif !
 
Du, liebes Kind, bleib auf der Börse bei mir,
Gar liebliche Spiele spiel' ich mit dir,
Da reicht dir doch mutig die offene Hand
Manchmal ein tiefer Spekulant. -
 
Mein Vater, Vater, und hörest du nicht,
Was Aktienkönig mir leise verspricht?
Sei nur ruhig, sei ruhig, mein Kind,
In einem Spekulanten säuselt der Wind.
 
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Aktienkönigs Töchter an düsterem Ort,
Sie winken mir jede auf eine andere Bahn,
Aktienkönig hat mir ein Leides gethan !
 
Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das papierene Kind;
Er erreicht die Börse mit Müh' und Not,
In seinen Armen das Papier war tot !
 
Die Zeit in Berlin und der Literarische Sonntagsverein "Tunnel über der Spree"
 

Nach einigen Jahren eines aufregenden Lebens ins Wien ging M.G. Saphir von 1826 bis 1829 in das Zentrum des jüdischen Salonlebens, nach Berlin, und wurde Schriftleiter der "Berliner Schnellpost für Literatur, Theater und Geselligkeit", des "Berliner Courier" und des "Berliner Theateralmanach auf das Jahr 1828". Saphir gab am 9.12.1827 den entscheidenden Anstoß für den den Literarischen Sonntagsverein "Tunnel über der Spree" (das Archiv des Tunnels befindet sich seit 1912 an der Humboldt-Universität).

M.G. Saphir dachte daran, seine satirischen Neigungen auf den Charakter des Vereins zu übertragen und nahm sich dabei die Ludlamshöhle (Wien, 1817 bis 1826) zum Vorbild. Die Bezeichnung des Vereins "Tunnel über der Spree" ist eine Anspielung auf den Bau des Tunnels unter der Themse, der aufgrund der zunächst vergeblichen Versuche als ein kühnes und zum Spott herausforderndes Unternehmen angesehen und schließlich erst 1843 fertiggestellt wurde. Wie diese Bezeichnung, so weist auch das Motto des Vereins "Ungeheure Ironie und unendliche Wehmut" auf die gewollte humoristische Atmosphäre des "Tunnel über der Spree", die man sich durch die Wahl Till Eulenspiegels als Schutzpatron zu sichern trachtete.

 
M.G. Saphir - Sinnsprüche
 

Wenn die Spartaner wie wir zwei Westentaschen, zwei Hosentaschen, drei Fracktaschen und fünf Oberrücktaschen gehabt hätten, sie hätten auch mehr gestohlen.

Inwiefern sind Minister und Pantoffeln sich oft so gleich? Man gewinnt beide oft erst dann lieb, wenn sie abgetreten sind.

In jeder Mythologie sind drei Viertel Geschichte und in jeder Geschichte sind sieben Achtel Mythologie.

Ein jeder Mensch ist einmal im Jahr Genie; leider verschlafen die meisten Menschen diesen Augenblick.

und an die Frauen und von der Liebe...

Man tut den Frauen Unrecht, wenn man sagt, sie würden immer zu spät fertig; es ist nicht wahr: sie fangen immer nur zu spät an.

Die Liebe ist wie eine Brennessel; der Mann fasst sie hart an, und sie verletzt ihn nicht. Die Frauen erfassen sie zaghaft, und sie fühlen das brennende Gift.

Es gibt nur eine glückliche Liebe: wenn man den Gegenstand seiner Liebe zu seinem Glücke nicht kriegt.

Nicht wie der Mann von seiner Liebe spricht, sondern wie er von ihr schweigt, spricht für seine Liebe.

 
Das Vereinsleben im "Tunnel über der Spree"
 

In den Sitzungen wurden die künstlerischen Arbeiten von Tunnelmitgliedern, die man "Späne" nannte, vorgelegt. Zwar handelte es sich vorwiegend um literarische Produkte, unter denen die Lyrik dominierte und nur gelegentlich Erzählungen und Dramen vorkamen, doch fanden auch Schöpfungen aus der bildenden Kunst und der Musik ihren Platz. Das Vorgestellte durfte nur Unveröffentlichtes sein, so dass viele später bekannt gewordene Arbeiten unter den Tunnelmitgliedern ihr erstes Publikum fanden.

Nachdem ein solcher "Span" vorgetragen worden war, wurde über ihn diskutiert und eine Bewertung angestrebt. Zu diesem Zweck fasste der Vorsitzende des Vereins, das "Haupt" bzw. das "angebetete Haupt", wie er genannt wurde, die Diskussion zusammen, um eine Bewertung festzulegen, wozu sich die Kategorien "Akklamation", "sehr gut", "gut", "ziemlich" bzw. "mittelmäßig", "schlecht" und "sehr schlecht" herausbildeten. Es war stets ein bestimmter Kreis von Mitgliedern, die "Späne" lieferten, diese wurden "Makulaturen" genannt, während für die "nichtproduktiven" Mitglieder die Bezeichnung "Klassiker" üblich war. Die literarischen "Späne" waren überwiegend Produkte von schriftstellerisch tätigen Amateuren.

Von den zwischen 1827 und 1898 nachgewiesenen 214 Mitgliedern machten solche, die beruflich als Schriftsteller, Journalisten und Redakteure wirkten, nur etwa 20 % aus. Das Gros stellten Beamte und Juristen (25 %). Die Gruppe der Offiziere war mit beachtlichen 15 % vertreten. Außerdem gab es Kunstwissenschaftler und bildende Künstler, Schauspieler und Theaterleute, Ärzte und Apotheker, Musiker, Kaufleute, Lehrer, Buchhändler und Verleger, Gutsbesitzer, Pfarrer, Professoren u. a.. Um die durchaus auftretenden sozialen Unterschiede zu kaschieren, wurden "Tunnelnamen" vergeben. Unter den Mitgliedern befanden sich einige namhafte Persönlichkeiten, die in die Kulturgeschichte eingegangen sind.

Von den Schriftstellern wären u. a. zu nennen: Theodor Fontane (Mitglied von 1844 bis 1865 mit 96 Sitzungsprotokollen, drei Jahresberichten und 129 Spänen; Anmerkung: am 24. des Lethemonds 1865 nach profaner Zeitrechnung, a.U. 6 nach schlaraffischer, wurde die Berolina gegründet), Emanuel Geibel (spätromantischer Dichter, seinen Erfolg begründete er in erster Linie mit volkstümlichen Liedern wie: "Der Mai ist gekommen"), Paul Heyse (erhielt 1910 den Nobelpreis für Literatur) und Moritz Graf Strachwitz (Strachwitz' Gedichte waren im 19. Jahrhundert sehr erfolgreich und wurden häufig vertont, so etwa von Loewe, Schumann und Brahms).

M.G. Saphir schied bereits im Jahre 1829 aus dem "Tunnel über der Spree" aus, woraufhin die mit "etwas zu gewolltem Humor" (Theodor Fontane) versehenen Gewohnheiten und Späne abnahmen.

 
Die Kunst einzuschlafen,oder: Die Kunst sich selbst Langeweile zu machen
 

Es gibt eine große Kunst: sich selbst auszuschlafen; aber es gibt eine noch größere, noch schwierigere Kunst: einzuschlafen.

Das ist eine Kunst, man im buchstäblichen Sinne des Wortes nur im Schlafe lernen kann, und wenn man über diese Kunst ganze Nächte lang wacht, so lernt man sie erst recht nicht! Die Kunst, einzuschlafen, ist eigentlich nichts als die Kunst, sich selbst Langeweile zu machen! Es gibt keinen größeren Beweis von der Eigenliebe und von der Eitelkeit der Menschen, als wenn sie sagen: ich kann bei Nacht nicht einschlafen! Das ist nichts als ein Beweis, wie gut sie sich mit sich selbst unterhalten, wie amüsant und geistreich sie ihre eigenen Gedanken findend. Wenn man in großer Gesellschaft ist, so läuft man oft alle Augenblicke Gefahr sogleich einzuschlafen, ist man aber allein, abends, im Bette, mit niemanden beschäftigt als mit sich, hört man nichts als das, was man sich selbst sagt, in Gedanken oder in Monologen, da ist man entsetzlich wach und munter! Oh unbegreifliche Selbstliebe und Selbstgefallung!

Im Schlaf gehen die Geschäfte des Herzens und der Lunge nach wie vor fort; das Herz mag als des Tages über gute oder schlechte Geschäfte gemacht haben, der Schlafe ändert nichts, und dennoch kann ein bewegtes Herz es schwer zum Einschlafen bringen! Allein ein ganz gesundes Herz schläft gar nicht – es schnarcht nur zuweilen!

Also die Kunst einzuschlafen, erfordert erstens, daß man kein Herz habe; das Herz ist die Unruhe im Menschen; und mit Unruhe kann man nicht einschlafen. Zweitens, daß man nichts denke: denn Denken ist ein Andrang von lebensschädlichen und Organismus zerstörenden, bösen Einflüssen nach dem Kopfe, und zum leicht und bald Einschlafen gehört eine bequeme, der geistig und leiblichen Ruhe zuträgliche Leerheit des Kopfes. Drittens, daß man nichts besitze, daß man weder im Herzen, noch im Kopfe, noch im Koffer etwas habe, überhaupt daß man auf der ganzen Welt nichts besitze, der Besitz, jeder Besitz, es sei nur der eines Dukatens, oder eines Hauses, oder eines Herzens, oder auch nur eines Talentes – dieses gefährliche Schieß- und Mordgewehr – hebt die freie Wirksamkeit der Seele nach innen auf, richtet sich auf die Außenwelt und zerstört allen Schlaf.

Um zu jeder Zeit leicht und schnell Einschlafen zu können, gehört vor allem, daß man kein Vermögen, weder im barem Gelde noch in Grundstücken habe und doch auch kein Börsenspekulant sei; daß man nichts und niemand auf der ganzen Welt liebe, für niemand Sorge trage und sich um keines menschliches Wesen Wohl und Weh' zu bekümmern habe; daß man sich gar keines Talentes bewußt sei, daß man die sichere Überzeugung habe: "Morgen früh, wenn ich aufstehe, bin ich ein so dummer Kerl und ein talentloses Wesen, wie es nur eines unter der lieben Sonne geben kann." Wenn man bei allem diesen nichts gegessen hat, bloß ein Glas Zuckerwasser trank, sich leicht bedeckt, eine weiche Matratze hat und – nicht lesen kann, dann kann man sich der Hoffnung überlassen, leicht einzuschlafen.

Wieviel Mittel gibt es nicht und zählt nicht Jean Paul her, um schnell einzuschlafen: die Fensterscheiben zählen; das Einmaleins lernen; die Punkte in den Tapeten berechnen, eine gewisse Melodie solange immer von neuem summen, mit dem Finger das Antlitz herumfahren usw. usw. usw.

Aber es geht diesen Mitteln wie allen Hausmitteln: sie sind alle recht gut, aber sie nützen alle nichts!

Es ist ein großes Unglück, daß sich die Menschen so gut mit sich selbst unterhalten! Man ist so seelenvergnügt, wenn man keinen anderen Zuhörer hat als das – Kopfkissen! Das Kopfkissen gähnt uns nicht ins Angesicht, das Kopfkissen hört uns geduldig zu, und wer am besten zuhört, ist der beste Gesellschafter!

Von was spricht der Mensch mit dem Kopfkissen? Von sich! Von sich! Von sich! Kann man bei einem so interessanten Gespräch einschlafen? Das wäre eine Beleidigung an sich, und sich selbst beleidigt kein Mensch sobald!

Ich kenne Schriftsteller, die mit dem Vorlesen ihrer eigenen Schriften ganze Gesellschaften eingeschläfert haben; sie selbst lesen sich ihre Werke aber selbst alle Nacht vor, und es kommt ihnen kein Schlummer in die Augen! Ich kenne andere, die eine Sucht zum Anekdoten erzählen haben: wenn sie dieselben in Gesellschaften erzählen, so schlummert der auftragende Bediente im Gehen plötzlich ein, die Natur selbst fängt zu gähnen an, und Todesschlaf herrscht ringsum; dieselben wiederholen sich diese Anekdoten alle Nacht allein im Bette und unterhalten sich dabei so köstlich, daß sie nicht einzuschlafen imstande sind!

Ich komme nun zurück, daß die leidige Selbstliebe der Feind ist, warum Menschen nicht einschlafen können.

Ich kenne Menschen, die, wenn man ihnen auf der Straße begegnet, eine solch narkotische Einwirkung machen, daß man sich an das erste beste Haus anlehne und schlummern muß, bis diese vorüber sind, und diese Menschen klagen auch, daß sie nicht einschlafen können! Sie müssen also notwendigerweise nachts ganz aus sich heraustreten und sich für ein anderes Individuum halten.

Man sagt, um bald einzuschlafen, müsse man das Licht auslöschen; Unsinn! In Gegenden, wo gar kein Licht herrscht, hört man auch die Klage: "Ich kann gar nicht einschlafen." Das Licht ist kein Hindernis des Schlafes, denn der erste Mensch ist sogleich nach der Erschaffung großen und des kleinen Lichtes eingeschlafen: Daß aber der erste Mensch so bald und so leicht einschlief, ist ein Beweis für meinen Ausspruch: Man muß gar kein Vermögen besitzen, niemanden lieben, nichts wissen, nicht lesen können und – unverheiratet sein, um bald und schnell einzuschlafen.

Daß aber das Licht am Einschlafen nicht schadet, beweist der Umstand, daß manche Menschen gerade in der Gesellschaft der größten Lichter am ehesten einschlafen! Ja, daß das Licht durchaus dem Einschlafen zuträglich ist, geht auch daraus hervor, das man tausend und tausende Dinge, Prozesse, Untersuchungen usw. je eher einschlafen läßt, je greller das Licht ist, in welchem sie erscheinen!

Ich glaube, gerade im Finsteren kann man gar nicht einschlafen, denn schlafen heißt Sinnesempfindungen unterbrechen, aufhören machen; und gerade im Finstern werden die Sinnesempfindungen am meisten wach gehalten.

Ich für meinen Teil, ich finde nie mehr Lust, zu schlafen, als bei einer Illumination, bei einem Feuerwerk, und die Feuerspitzen sind manchen Orten nie von einem tieferen Schlaf befallen, als bei einem hellen Brande.

Ein Betrunkener schläft sogleich ein, und der ist doch lichterloh illuminiert!

Je leichter die Phantasie des Menschen ist, desto eher schläft er ein; je farbloser sie ist, desto weniger; darum schläft die Jugend viel, das Alter wenig! Ich weiß, das ist eine sachliche Anwendung, allein ich rede jetzt aus dem – Schlaf und will versuchen, mich – in den Schlaf zu reden, denn ich schreibe diesen Aufsatz nämlich im Bett. – Ich glaube, man fühlt es ihm an, – daß ich nicht schlafen kann!

Ich hab doch nichts, weder Dukaten, noch Liebe, besitze auch kein Talent, bin unverheiratet, kurz ein Eigentümer aller Erfordernisse zum Schlaf, und – kann doch nicht schlafen!!

Wie? Sollte ich auch Wohlgefallen an meiner eigenen Gesellschaft finden? Nicht möglich! Ich habe mir etwas aus meinen Schriften vorgelesen und bin doch nicht eingeschlafen! Da dacht' ich, das sind alte Sachen, die wirken nicht so, frische Mittel sind wirksamer, und schreibe mir frisch dieses Opiate. Allein schon sind alle Leser um mich eingeschlafen, und ich bin noch munter, so wach! Es ist entsetzlich! Dreimal hab' ich mir das Geschriebene schon vorgelesen, und kein Schlaf kommt in mein Auge! Ich bin nicht imstande, mir Langeweile zu machen. Ich muß heut Nacht schon durchwachen, alter lieber Leser, eingeschlafen bist du schon, schlaf also gut aus!

 
M.G. Saphirs Rückkehr nach Wien und seine Duelle mit Johann Nepomuk Nestroy
 

Saphir machte sich in Berlin unbeliebt und kam in Festungshaft. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris war er Hoftheaterintendanzrat in München und lebte seit 1834 wieder in Wien. Dort gründete er 1837 die satirische Zeitschrift "Der Humorist", ein Hort der Kritik an Nestroy (...ich habe Nestroy gesehen, ich habe gelacht, viel gelacht, aber es war ein spasmodisches Lachen, ein krampfhaftes. Meine Seele hat in mir geweint, bitterlich geweint....).

Nestroy war - vor allem als Autor - empfindlich gegenüber einer Kritik, die oft mit ihm unsanft umsprang, aber er schlug mit seinen Mitteln zurück.

 
Nestroys Briefe an Saphir
 

Mein liebes Saphirchen. Schon glaubte ich, Du habest vergessen auf mich, Du loser Schelm, und war Dir deßhalb recht gram Du abscheuliches Saphirchen, nun da lese ich auf einmahl in Deinem Sudelblättchen ein paar Spalten voll Schmähungen gegen mich... An der Niederträchtigkeit erkenn ich mein Saphirchen wieder, jetzt bin ich wieder ausgesöhnt mit Dir, wirklich Du hast mich weidlich belustigt damit, wie traurig und schaurig ist Dein Berserkermuth gegen mich, wie toll Dein Gebell und Gekläff, wie bissig das Gefletsch Deiner Zähne.

oder
Herr M. G. Saphir! Ich habe bisher Ihre fortwährend gegen mich gerichteten, theils mit Ihrem, theils mit dem Namen eines Ihrer Handlanger untersudelten Schmähungen keiner Beachtung gewürdigt; da nun aber mein, auf dieser Nichtbeachtung basirtes Schweigen, bei Ihrer zunehmenden Frechheit, die Öffentlichkeit leicht auf die Meinung bringen könnte, ich schwiege aus anderen Gründen, etwa weil ich Sie als Literaten, oder als Kritiker, oder gar als Mensch (o Gott !!) oder als irgend sonst Etwas respectire - so sehe ich mich zur Beseitigung solch heilloser Irrthümer genötigt, das Stillschweigen aufzugeben.......Sie belfern seit Jahren meine Stücke an, wie ein bissig knurriger, an einem Schiebkarren gefesselter Wäscherpinsch die Vorübergehenden. Und wenn mich nun Jemand fragte: "Hat Ihnen dieser M.G. Saphir mit seinem jahrelangen Gebelle Schaden zugefügt?" So müßte ich offen und ehrlich antworten: Nein, auch nicht den Geringsten! Möge Ihnen dies der sprechendste Beweis Ihrer kritischen Nichtigkeit sein, Sie lächerlicher Vomkunstrichterstuhlherabdieleutevernichtenwoller.
 

Als Nestroy, welcher als Schauspieler und Dichter so wütend gegen seinen Erzkritiker zu Felde zog, am 1. November 1854 seine Ära als Direktor des Carltheaters begann, fungierte als Autor des Eröffnungsprologs niemand anderer als - der "Wäscherpinsch" (siehe oben!) Moritz Gottlieb Saphir.

M.G. Saphir starb am 5. September 1858 in Baden bei Wien.

 

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Ehrenschlaraffe Weilburg
Josef Georg Kornhäusel
Architekt
 
Geboren: 13. November 1782 in Wien
Gestorben: 31. Oktober 1860 in Wien
 
Lichtbild des Ehrenschlaraffen Weilburg
 
Josef Georg Kornhäusel wurde am 13. November 1782 in Wien geboren. Er war als Architekt ein bedeutender Vertreter des romantischen Historismus. Er arbeitete sowohl auf dem Gebiete des Schlossbaues, insbesondere für die Fürsten Liechtenstein und Erherzog Karl, als auch für ein breites bürgerliches Klientel (zahlreiche Wohnhäuser).
 

Die Architektur dieser Zeit

 
In der Napoleonischen Epoche, in der Kornhäusel als Architekt tätig war, erfolgte der Durchbruch des klassizistischen Stils. Dieser war gekennzeichnet durch strenge, gegliederte Baukörper mit monumentalen Säulenordnungen. Wiener Beispiele für diesen Baustil sind die Albertina, 1801-1804; das Palais Rasumofsky, 1807; die Technische Hochschule, 1816-1818; der Theseustempel und das Äußere Burgtor. Demgegenüber gilt die Repräsentationsarchitektur der dreißiger und vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts bereits als Ausläufer des Klassizismus. Beispiele dafür sind das Niederösterreichische Landhaus, das Hofkammerarchiv und das Palais Coburg.
 
Josef Georg Kornhäusel und seine Sonderstellung als Architekt
 

Für die österreichische Aufklärung und Romantik waren zunächst französisch geschulte Künstler wie Isidore Canevale, Charles de Moreau und Louis de Montoyer maßgeblich. In dieser Epoche nimmt Josef Kornhäusel mit seinem Schaffen eine Sonderstellung ein, indem er die imperiale Geste des Klassizismus mit der Intimität des Biedermeiers zu verbinden wusste. Er entwickelte den so genannten Biedermeierstil als einen betont bürgerlichen Architekturstil (einschließlich des entsprechende Interieurstils) und galt für lange Zeit als dessen wichtigster Vertreter.

Dem Architekten stand als wichtiger Bildhauer und Maler Josef Klieber (1773-1850) zur Seite, der insbesondere in Wien zahlreiche Werke Kornhäusels dekorierte.

Josef Georg Kornhäusel starb am 31. Oktober 1860 in Wien und zwar im selben Jahr wie ein weiterer großer österreichischer Architekt, der allerdings auf einem ganz anderen Gebiete gewirkt hatte, nämlich Karl Ritter von Ghega, Erbauer der Bahnstrecke über den Semmering.

Josef Georg Kornhäusel wurde auf dem Wiener Friedhof St. Marx begraben, der 14 Jahre später aufgelassen wurde. Viele der dortigen Grabsteine entsprachen dem damaligen Zeitgeschmack des Biedermeier und bildeten so eine besondere Art eines architektonischen Ensembles. Die sterblichen Überreste Josef Georg Kornhäusels wurden - wie auch die mancher anderer dort begrabener berühmter Persönlichkeiten - auf dem Wiener Zentralfriedhof zur letzten Ruhe gebettet.

 
Das Wirken Josef Georg Kornhäusels in Baden und Umgebung
 
Die Weilburg
 
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Aus den napoleonischen Kriegen geht das stark erweiterte Herzogtum Nassau mit Weilburg als dessen Hauptstadt hervor. Weilburg bleibt Residenzstadt, bis der Hof 1816 nach Wiesbaden übersiedelte.

Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg heiratete 1815 Erzherzog Karl von Österreich, den »Löwen von Aspern«, einen Enkel Kaiserin Maria Theresias. Nach der Überlieferung soll Prinzessin Henriette in Wien den mit Kerzen geschmückten Weihnachtsbaum eingeführt haben. Erzherzog Karl ließ für sie von Josef Georg Kornhäusel zur Erinnerung an ihre Heimat das Schloss »Weilburg« in Baden errichten.

Das Schloss Weilburg wurde in den Kriegswirren des Jahres 1945 stark beschädigt und später abgerissen.

 
Hauptplatz mit Rathaus
 
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Der Hauptplatz hat seine gegenwärtige Gestaltung nach dem Stadtbrand von 1812 erhalten. Das nach Plänen Josef Georg Kornhäusels im Jahre 1815 errichtete Rathaus, das Kaiserhaus (die Sommerresidenz der Habsburger von 1813-1834 und Wohnsitz des letzten österreichischen Kaisers von 1916-1918) und die fast 20m hohe Dreifaltigkeitssäule des Bildhauers Giovanni Stanetti bilden die architektonischen Schwerpunkte des Platzes.
 
Metternichhof
 
Der Metternichhof wurde1807 nach den Plänen von Josef Georg Kornhäusel als Hotel für Apollonius Hebenstreit erbaut und war von 1830-1840 im Besitz von Staatskanzler Clemens Fürst von Metternich. Er wurde möglicherweise durch Peter Nobile umgebaut.
 
Stadttheater Baden
 
An der Stelle eines Theaters, welches von Josef Georg Kornhäusel stammte, steht heute ein Theater mit siebenhundert Sitzplätzen nach Plänen der Architekten Fellner and Helmer.
 
Sauerhof
 
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Im Jahre 1810, nach dem Tod Ihres Vaters, übernahmen Josef und Karl Doblhoff den Sauerhof und ließen ihn zur Gänze umgestalten. Mit dem Umbau wurde Josef Georg Kornhäusel beauftragt. Unter seiner Hand entstanden 91 Herren- und 47 Dienerzimmer sowie Stallungen für 44 Pferde und Remisen für 30 Wagen.
 
Husarentempel bei Mödling
 
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Der Husarentempel auf dem kleinen Anninger ist das älteste Kriegerdenkmal Österreichs und eine klassizistische Nachbildung eines dorischen Tempels. Er wurde von Josef Georg Kornhäusel im Jahre 1813 im Auftrag des Fürsten Johann von Liechtenstein errichtet. Dieser ließ den Tempel zum Gedenken an die bei Aspern gefallenen Husaren bauen. Im Untergeschoß liegen sieben Soldaten begraben.
 

Das Wirken Josef Georg Kornhäusels in Wien und anderen Teilen der Monarchie

 
Das Theater in der Josephstadt
 
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Das Theater in der Josephstadt ist nach dem Burgtheater die älteste Sprechbühne Wiens. Es wurde im Jahre 1788 als kleinstes der drei Vorstadttheater (neben dem Theater an der Wien und dem Leopoldstädter Theater) erbaut und erhielt 1791 ein umfassendes kaiserliches Privileg für Aufführungen aller Gattungen des musikalischen und dramaturgischen Theaters einschließlich Ballett und Pantomime. Im Jahre 1814 gab hier Ferdinand Raimund sein Wien-Debüt als Franz Moor in Schillers Räuber.

Am 30. April 1822 wurde das Gebäude abgerissen und unter Mitwirkung von Josef Georg Kornhäusel, der die neue Fassade schuf, wieder errichtet. Die Eröffnung des Hauses fand am 3. Oktober mit der Ouvertüre "Zur Weihe des Hauses", komponiert und dirigiert von Ludwig van Beethoven, statt.

 
Die Synagoge
 
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Vierhundert Jahre nach der ersten Judenvertreibung, der Wiener Geserah von 1421, versteckte der Architekt Josef Georg Kornhäusel auftragsgemäß den Stadttempel der Israelitischen Kultusgemeinde hinter einer Mietshausfassade.

Die im Toleranzpatent von Joseph II. verankerte Anordnung, jüdische Bethäuser so gut wie möglich zu verbergen, erwies sich in der Reichskristallnacht im November 1938 als Glücksfall: von den 94 Wiener Synagogen blieb dieser perfekt getarnte Innenstadt-Tempel aus dem Biedermeier mit seinem ovalen Kuppelraum und einer umlaufenden Doppelgalerie hinter ionischen Säulen als einziger erhalten.

Mit einer Inschrift im Hausflur bedankt sich die israelitische Kultusgemeinde bei Kaiser Franz I. für die Bauerlaubnis: "Tretet ein in seine Tore mit Dank, in seine Höfe mit Lobpreisung."

 
Das Schottenstift
 
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Herzog Heinrich II. berief in der Mitte des 12. Jahrhunderts irische Mönche aus Regensburg nach Wien und ließ sie an der Freyung die Kirche und das Kloster errichten. Bauliche Reste der romanischen Anlage sind in der Stiftskirche erhalten geblieben.

Der heute bestehende Gebäudekomplex des Schottenhofes und -stiftes wurde in den Jahren 1826-1832 von Josef Georg Kornhäusel umgestaltet beziehungsweise teilweise neu erbaut. Hier befinden sich das Kloster und das angegliederte Stiftsgymnasium. Zu seinen Schülern zählten neben den Söhnen der Familien Liechtenstein, Schwarzenberg und Hohenlohe auch Johann Strauß und Johann Nestroy.

Im Jahre 1994 - nach dreijähriger Bauzeit - wurde das "Museum im Schottenstift" um drei Räume vergrößert und die berühmte Stiftssammlung neu arrangiert. Das Museum gibt einen repräsentativen Querschnitt durch das geistig-kulturelle Leben der Benediktinerabtei auf der Freyung.

Das Schottenstift beherbergt die 1826-1832 von Josef Georg Kornhäusel gestaltete Prälatur. Bei der Schottenstiftsbibliothek handelt es sich um die bedeutendste Privatbibliothek Wiens im größten klassizistischen Bibliotheksaal Österreichs, der ebenfalls von Josef Georg Kornhäusel eingerichtet wurde.

 
Die Mechitharisten in Wien (Kloster, Kirche, Bibliothek und Museum)
 
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Der Armenier Mechithar von Sebaste (1676-1749) ist Gründer der Mechitharisten-Congregation, die von Papst Clemens XV. mit der Regel der Benediktiner bestätigt wurde. Infolge des türkisch-venezianischen Krieges 1715 floh Mechithar mit seinen Mönchen nach Venedig, wo ihm die Insel Lazzaro zugesprochen wurde. Einige der Mitbrüder ließen sich in Triest nieder und erhielten von Kaiserin Maria Theresia einen Schutzbrief.

1805 mußten die Mönche abermals flüchten - diesmal vor Napoleon. Sie kamen nach Österreich und Kaiser Franz I. gab den Vertriebenen in Wien Asyl. Er siedelte sie in der Vorstadt St. Ulrich (heute siebenter Wiener Gemeindebezirk), im ehemaligen Kapuzinerkloster, an. Die Armenier hatten in der Orientpolitik der Habsburger wegen ihrer spezifischen Kenntnisse ihren festen Platz.

Mittlerweile waren die Gebäude so verfallen, dass ein Neubau notwendig wurde. Im Jahre 1837 erbaute Josef Georg Kornhäusel das neue Kloster. Das Kloster der Mechitharisten mit seinen bedeutenden Sammlungen verbindet auch heute noch östliches Brauchtum mit wesentlichem Klosterleben.

 
Die Albertina
 
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Der langgestreckte, dem Burggarten zugewandte Trakt der Albertina wurde zwischen 1801 und 1805 nach Plänen des belgischen Architekten Louis de Montoyer errichtet. Die nach Entwürfen des Architekten Josef Georg Kornhäusel entstandenen Räume zählen zu den kostbarsten Beispielen klassizistischer Bau- und Dekorationskunst in Österreich.
 
Die Nussdorfer Pfarrkirche zum Heiligen Thomas
 
Die derzeitige Kirche entstand 1788 als schlichter josephinischer Bau. Bekannt ist der Tabernakel des Hochaltars von Josef Georg Kornhäusel.
 
Die Alte Universität
 
Der 1827-1829 von Josef Georg Kornhäusel errichtete Bibliotheksflügel war Teil der Erweiterung der Universität.
 

Eisgrub/Lednice

 
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Park in die Form eines großen Sternes umgewandelt. Im Jahre 1815 schuf Josef Georg Kornhäusel den rechten Gartenflügel des Schlosses im Stile des Empire. Von ihm stammen auch andere Empire-Gebäude in der Umgebung von Lednice, unter anderem das 1826 errichtete "Teichschlösschen" (rybnicni zamecek) und der Tempel des Apollo.
 
Das Habsburger-Schloss in Ciescyn/Teschen
 
Auf dem Fundament eines Schlosses aus der piastischen Dynastie (unter den Piasten erfolgte die Einigung und Christianisierung die polnischen Stämme unter einer straffen Führung) wurde von Josef Georg Kornhäusel für Herzog Karl von Sachsen-Teschen im Jahre 1840 ein Sommerschloss der Habsburger im klassizistischen Stil errichtet. In der bis zum Jahre 1966 daneben bestehenden Orangerie gab Franz Liszt Konzerte. Heute ist in den Schlossräumen die Staatliche Musikschule untergebracht.
 

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Ehrenschlaraffe Bettelstudent
Karl Millöcker
Operettenkomponist
 
Geboren: 29. April 1842 in Wien
Gestorben: 31. Dezember 1899 in Baden
 
Lichtbild des Ehrenschlaraffen Bettelstudent
 

Karl Millöcker wurde am 29. April 1842 in Wien geboren. Im sechsten Wiener Gemeindebezirk, in der Gumpendorfer Straße 17, wo sein Geburtshaus stand, ist heute eine Gedenktafel angebracht. Sein Vater war Goldschmied, hingegen zeigte sein Sohn schon in frühen Kinderjahren sein musikalisches Talent. Er studierte später Klavier und Musiktheorie am Wiener Konservatorium und begann im Jahre 1858 seine musikalische Karriere als Flötist im Orchester des Theaters in der Josefstadt, ging 1864 auf Empfehlung von Franz von Suppé als Theaterkapellmeister nach Graz und arbeitete später am Harmonietheater in Wien gemeinsam mit Ludwig Anzengruber.

Weitere Stationen seiner künstlerischen Laufbahn waren 1868 Budapest und von 1869 bis 1883 das Theater an der Wien. Folgende seiner Operetten erlebten dort ihre Uraufführung: "Gräfin Dubarry" (31. Oktober 1879), "Der Bettelstudent" (6. Dezember 1882), "Gasparone" (25. Jänner 1884), "Der Feldprediger" (31. Oktober 1884) und "Der arme Jonathan" (4. Jänner 1890)

 

Seine Operette in drei Akten, "Der Bettelstudent" spielt im Krakau des Jahres 1704. Oberst Ollendorf, sächsischer Gouverneur von Krakau, möchte sich für seine Zurückweisung an der schönen Laura rächen. Diese strebt eine reiche Heirat an und ist begeistert, als der Oberst ihr einen Sträfling als Fürst Wybicki auf Brautschau vorstellt. Laura und Symon verlieben sich wie geplant. Ein Geständnis des armen Studenten vor der Hochzeit verhindert der Oberst und genießt so Lauras Demütigung vor den versammelten Hochzeitsgästen. Von Laura davongejagt, beschließt Symon sich noch einmal als ein anderer auszugeben und lässt sich vom Oberst verhaften. Doch da wird die Befreiung Krakaus aus der Hand der Sachsen verkündet und Symon zum Dank für seine mutige Mithilfe zum Grafen ernannt. Nun steht dem Glück des Paares nichts mehr im Wege.

 
Eines seiner bekanntesten Lieder ist wohl "Dunkelrote Rosen bring ich...." aus der Operette Gasparone
 

Dunkelrote Rosen bring ich, schöne Frau!
Und was das bedeutet, wissen Sie genau!
Was mein Herz empfindet, sagen ich's nicht kann
Dunkelrote Rosen deuten zart es an !
Ein tiefverborg'ner Sinn liegt in den Blumen drin',
Gäb's nicht die Blumensprache, wo kämen Verliebte hin?
Fällt das Reden uns schwer, müssen Blumen her
Denn was man nicht zu sagen wagt, man durch die Blume sagt !
Dunkelrote Rosen bring ich, schöne Frau !
Und was das bedeutet, wissen Sie genau !
Was mein Herz empfindet, sagen ich's nicht kann
Dunkelrote Rosen deuten zart es an.

 

Karl Millöckers Wirken ist bezeichnend für eine Zeit, in der Volkstümlichkeit, die Freude und Seligkeit an Melodien im Hintergrund der k.k. Monarchie groß geschrieben wurde. Zahllose Operetten und Musikstücke machten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Wien zur Welthauptstadt beschwingter Fröhlichkeit, wobei dem Musiker Karl Millöcker erst mit seinem "Bettelstudent" (dieses Werk entstand im Wesentlichen in Baden) und "Gasparone" der Durchbruch gelang. Karl Millöcker war neben Johann Strauß Sohn und Franz von Suppé der dritte Vertreter der klassischen Wiener Operette. Seine Werke zeichnen sich besonders durch solide Satzkunst und handwerkliches Können aus.

Mit den drei Operetten "Die Dubarry", "Der Bettelstudent" und "Gasparone" hatte er den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens erreicht, wurde aber trotzdem immer wieder kritisch mit Franz von Suppé und Johann Strauss verglichen. Weniger Erfolg hatte er mit seinen Spätwerken "Die sieben Schwaben", "Der arme Jonathan", "Das Sonntagskind" (mit einem schottischen Hintergrund) und "Der Probekuss". Wichtigster Interpret seiner Werke war Alexander Girardi. Eines seiner späten Werke, "Der Feldprediger", welches 1894 entstand, erlangte am Broadway sogar mehr Popularität als in Wien.

Karl Millöcker erwarb ein für seine ausgezeichneten finanziellen Verhältnisse eher bescheidenes Sommerhaus in Baden und verbrachte in diesem ab 1887 regelmäßig jeden Sommer. Ab dem Jahre 1892 kämpfte er zunehmend mit gesundheitlichen Problemen. Er mietete im Jahre 1899 eine weitere Wohnung für den Winter in der Nähe des Badener Bahnhofs. Dort starb am Silvestertag des Jahres 1899 und er wurde am 2. Jänner 1900 auf dem Helenenfriedhof in Baden, ganz in der Nähe seines langjährigen Sommersitzes, begraben. Noch im selben Jahr erhielt er ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof. An seinem Sterbehaus in Baden wurde im Jahre 1925 eine Millöcker-Gedenktafel enthüllt.

Karl Millöcker vermachte die Originalpartituren seiner sämtlichen Operetten dem Städtischen Rolletmuseum in Baden, wo sie in einem eigenen Zimmer ausgestellt sind. Die Wiener Stadtbibliothek konnte überdies weitere 150 Werke des handschriftlichen Nachlasses von Karl Millöcker - hauptsächlich Theaterkompositionen und Schauspielmusiken - von dessen Erben erwerben. Das interessanteste Stück der Erwerbungen der Wiener Stadtbibliothek dürfte jedoch das Tagebuch Karl Millöckers sein, das er zwölf Jahre vor seinem Tode begann und bis unmittelbar vor seinem Tode akribisch führte. Da es auch autobiographisches Material enthält, gibt es praktisch einen Überblick über das gesamte Leben Karl Millöckers.

 

 

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Ehrenschlaraffe Ritter Basta der Hetzmajor
Carl Horny
Privatier
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geboren: 7. Oktober 1841 in Odessa
gestorben: 23. Oktober 1912 in Baden
Sasse der hohen Aquae Thermae ab a.U. 1596 (1896)
 

Erkürung zum Ehrenschlaraffen der hohen Reyches Aquae Thermae (80) gemäß §35 des Schlaraffen-Spiegels am 30. Ostermond a.U. 143.

Im Windmond a.U. 1596 betrat der spätere Rt. Basta zum ersten Mal die Schwefelburg. Sofort eingenommen von Schlaraffia wurde er am 13. Eismond a.U. 1597 als Prüfling angemeldet, im Hornung zum Knappen Nr. 60, im Lenzmond zum Junker Basta erkürt und am 10. Ostermond derselben Jahrung zum Rt. Basta der Hetzmajor geschlagen.

Am 5. Lethemond a.U. 1597 saß er bereits als Herrlichkeit auf dem hohen Thron. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Basta-Ordens. In der Jahrung 41/42 machte Rt. Basta als Großmeister seines Ordens eine Weltreise, bei der er alle zehn damals bestehenden ahamerikanischen Reyche besuchte.

Am 14. Wonnemond a.U. 52 fand in der Aquae Thermae die Ursippenfeier für Rt. Basta statt.

Am 23. Lethemond a.U. 53 trat Ritter Basta seinen letzten Ritt gen Ahall und am selben Tag gab es in der Schwefelburg eine beeindruckende Trauersippung.

 

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